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Gebrauchtwagen – Wie kommt man Tachomanipulationen auf die Schliche?

Das Zurückdrehen des Tachos ist eine beliebte Betrugsmasche beim Verkauf von Gebrauchtwagen. Wie kann man ihr auf die Schliche kommen?

Tachomanipulation auf die Schliche kommen

Tachomanipulation auf die Schliche kommen (Foto: Evgenia Bolyukh | Shutterstock)

In Deutschland sind für den Straßenverkehr über 50 Millionen Fahrzeuge zugelassen. Bei einer Einwohnerzahl von etwa 80 Millionen Menschen bedeutet dies, das fast 60 % der Bevölkerung ein motorgetriebenes Fahrzeug besitzen. Eine imposante Statistik. Genauso imposant ist der Gebrauchtwagenmarkt in Deutschland, der sich innerhalb Europas als der bei weitem größte Markt darstellt.

Zurückstellen das Tachos eine beliebte Betrugsmasche

Bei soviel Angebot und Nachfrage darf es nicht verwundern, das sich auch eine beträchtliche Anzahl schwarzer Schafe auf dem Markt tummeln, die ihre „Ware“ möglichst teuer an den Mann oder die Frau bringen möchten. Dazu ist fast jedes Mittel recht. Ein beliebter Trick ist das Zurückstellen des Tachos. Dazu muss nicht einmal mehr wie bei älteren Modellen die Tachowelle abgeschraubt und an die Bohrmaschine gehängt werden. Heute lässt sich dies ganz bequem über die Steuerelektronik des Fahrzeuges bewerkstelligen. Die entsprechenden Geräte dazu sind frei verkäuflich und deren Kaufpreis macht sich für den Verkäufer meist schon bei einem Fahrzeug bezahlt, dessen Preis durch Rückstellung des Tachos nach oben getrieben wurde. Doch wie erkennt der Laie, ob an einem zum Verkauf stehenden Fahrzeug manipuliert wurde und der 12 Jahre alte Wagen tatsächlich nur wenige Kilometer gefahren wurde?

Der Motor

Wenn Ihnen der Verkäufer ein Fahrzeug mit blitzblankem Motorraum präsentiert, sollte schon etwas Misstrauen aufkommen. Die sogenannte Motorwäsche kann etwa Ölverluste durch den Zylinderkopf verbergen, aber wichtiger ist der Anhänger mit dem Vermerk zum letzten Ölwechsel. Wenn der fehlt, kann dies ein weiteres Zeichen für Manipulation sein. Ist der Anhänger vorhanden, sollte der Tachostand und das Datum zum Zeitpunkt des letzten Ölwechsels darauf vermerkt sein. Jetzt ist ein bisschen Rechnen angesagt. Der auf dem Anhänger angezeigte Tachostand wird durch die Jahre seit der Erstzulassung geteilt. Das ergibt die durchschnittliche jährliche Fahrleistung. Dann wird der auf dem Tacho stehende Kilometerstand zum auf dem Anhänger stehenden Kilometerstand sowie die Zeit seit dem letzten Ölwechsel verglichen. Ergibt sich daraus, dass seitdem die jährliche Fahrleistung wesentlich geringer wurde, kann dies ein Zeichen für eine Tachomanipulation sein. Lassen sie sich nicht von wortreichen Erklärungen der Verkäufer beirren. Da kommen dann Geschichten etwa vom schwer erkrankten Vorbesitzer, der in den letzten Jahren nur noch wenig gefahren ist. Das ist in den meisten Fällen unglaubhaft.

Der Innenraum

Wenn nicht gerade eine Gruppe von Vandalen das Fahrzeug vorher in Besitz hatte, lässt sich die Fahrleistung eines Fahrzeuges auch an Abnutzungsspuren im Innenraum erkennen. Wichtigster Bereich ist hier der Fahrersitz sowie das Lenkrad und bei Schaltgetrieben der Schalthebel. Die in den Fahrzeugen verwendeten Kunststoffe und Textilien sind in der Regel auf eine hohe Haltbarkeit ausgelegt, aber ab etwa 100.000 Kilometern zeigen diese Ermüdungserscheinungen. Der Fahrzeugsitz weist den größten Abrieb an den Seiten der Sitzfläche auf, im Besonderen auf der linken Seite, der Ausstiegsseite des Fahrers. Eine zu starke Abnutzung bei geringem Tachostand ist ein Indiz für Manipulation. Genauso verhält es sich mit dem Lenkrad und dem Dachhimmel, an dem sich durch die aufsteigende Wärme der Heizung alles sammelt und festfrisst, was im Laufe der Jahre durch ein Auto schwebt.

Die Tricks der Verkäufer

Ein gewiefter Händler kennt diese Punkte natürlich und versucht durch Kaschieren den wahren Zustand des Innenraums zu verbergen. Etwa mit Sitzbezügen oder einem Lenkradbezug. Auch die Anhänger zum Ölwechsel können manipuliert sein. Eine hundertprozentige Sicherheit dafür, nicht hereingelegt zu werden, gibt es nicht. Auch die heute so geschätzte Elektronik hilft hier nicht immer weiter. Es bestehen zwar Speicher für Einstellungen, nicht aber für einmal vorhandene Tachostände, obwohl dies eine gute Möglichkeit wäre, dem Betrug mit manipulierten Tachos ein Ende zu bereiten. Etwa dadurch, dass der jeweilige Höchststand immer abgespeichert wird und durch geringere Kilometerstände nicht überschrieben werden kann.

Kommentar: Bist Du schon mal beim Kauf eines Gebrauchtwagens auf einen Betrüger reingefallen? Wie hast Du Dich dagegen gewehrt? Schreib uns Deine Meinung und Erfahrungen! Wir freuen uns auf Deinen Kommentar – direkt unter diesem Artikel.

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