Panorama
Tote in der Ukraine: Wie gefährlich sind Gummigeschosse?

Die ukrainische Regierung setzt Gummigeschosse gegen Demonstranten ein. Doch wie gefährlich ist diese Munition?

Ausschreitungen in der Ukraine

Ausschreitungen in der Ukraine (Foto: Photobank | Shutterstock)

Im Zuge der politischen Revolte in der Ukraine haben in den letzten Wochen unzählige Demonstrationen auf den Straßen des Landes stattgefunden, an denen mehrere tausend Menschen teilnahmen. Eingesetzt wurden dabei unter anderem Gummigeschosse. Diese wirken zunächst harmlos, doch spätestens seit dem Tod zweier Demonstranten, die offenbar durch Schussverletzungen ebendieser starben, stellt sich die Frage: Wie gefährlich sind Gummigeschosse wirklich?

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Was sind Gummigeschosse und wofür werden sie eingesetzt?

Gummigeschosse sind keineswegs eine neue Waffe, die erst jetzt in der Ukraine zu Einsatz kommt. In der professionellen Polizeiarbeit haben sie bereits seit Jahrzehnten eine Tradition. Vor allem, wenn es darum geht, Demonstranten möglichst auf Distanz zu halten, werden sie – neben Schlagstöcken, Tränengas und Wasserwerfern – häufig eingesetzt.

30 Tote durch Gummigeschosse und Verbot

Ein historisches Beispiel ist die britische Polizei: Sie setzte seit 1968 Plastik- und Gummigeschosse bei Protesten von gewaltbereiten Sympathisanten der IRA ein. Nachweislich starben dabei alleine bis Ende der 1980er Jahre mehr als 30 Menschen – höchstwahrscheinlich deshalb, weil die Munition damals technisch noch nicht ausgereift war und die Beamten im Umgang mit den Gummigeschossen wenig geübt waren. Blutende Wunden, ernste Augenschäden und sogar Knochenbrüche sind die Folge, wenn Sicherheitskräfte Gummigeschosse abfeuern.

Aufgrund von Vorkommnissen diese Art wurde die Munition in den meisten Staaten Europas verboten. Allerdings werden in der Schweiz noch so genannte Gummischrotwerfer genutzt, die jedoch deutlich ungefährlicher und auch weniger wirksam sind – sie schrecken Angreifer nur mäßig ab.

Ukraine: Demonstrant zeigt Journalisten Gummigeschosse

Ukraine: Demonstrant zeigt Journalisten Gummigeschosse (Foto: SJ | Shutterstock)

Gummigeschosse in Ägypten

Wie gefährlich Gummigeschosse sind, zeigt nicht nur die Ukraine: Auch bei der Revolution in Ägypten kam es zu Unfällen durch die Munition. Hier hatte ein Scharfschütze insgesamt 5 Menschen mit den Geschossen attackiert – alle von ihnen erblindeten nach dem Angriff. Ein palästinensischer Junge, der nur zufällig die Straße überquerte und nicht an den Revolten beteiligt war, starb an den Folgen von insgesamt neun Gummikugeln im Kopf.

Angesichts dieser Geschehnisse wird deutlich: Vor allem bei Straßenschlachten ist die Gefahr von Gummigeschossen besonders groß. Im unübersichtlichen Getümmel ist es für Polizisten oft schwer – wie beabsichtigt – nur den Körper oder die Gliedmaßen zu treffen.

Sind Gummigeschosse eine Waffe, um zu töten?

Prinzipiell werden Gummigeschosse nicht mit dem Ziel eingesetzt, Menschen damit töten zu wollen. Viel mehr dienen sie der Abschreckung von möglichen Gewalttätern. Allerdings werden Verletzungen oder sogar der Tod eines Menschen dabei in Kauf genommen. Im Durchschnitt fliegt ein Gummigeschoss mit rund 70 Metern pro Sekunde durch die Luft. Die maximale Reichweite liegt dabei bei etwa 50 Metern. Durch ein Gummigeschoss, das in einer Entfernung von rund 30 Metern abgefeuert wurde, wird zumindest eine blutige Verletzung bzw. ein Bluterguss zurückbleiben. Ist der Schütze näher, so ist man innerhalb der Schusslinie in ernsthafter Lebensgefahr.

Wann sind Gummigeschosse tödlich

Getötet wird ein Mensch durch ein Gummigeschoss dann, wenn es unglücklich auftrifft und den Kopf, die Schläfe oder auch die Halsschlagader trifft. Sie kann durch die Wucht des Aufpralls reißen und zum Verbluten des Getroffenen führen. Aus diesem Grund wird die Polizei in der Regel angewiesen, den Demonstranten beim Einsatz der Gummigeschosse in die Beine zu schießen und nicht in den oberen Körperbereich. So soll sichergestellt werden, dass keine lebensgefährlichen Verletzungen eintreten.

Einsatz von Gummigeschossen

Die Munition wird aus Gummi oder ähnlichen Kunststoffen produziert und anschließend mit Pistolen und Gewehren abgefeuert. Nicht nur bei Demonstrationen, sondern auch bei Bürgeraufständen und Gefängnisrevolten wurden Gummigeschosse in der Vergangenheit eingesetzt. Innerhalb der USA werden darüber hinaus Menschen, die suizidgefährdet oder verwirrt sind, mit der Hilfe von Gummigeschossen handlungsunfähig gemacht bzw. geschockt, um sie gefahrlos festnehmen zu können.

Kommentar
Was haltet Ihr vom Einsatz von Gummigeschossen in der Ukraine? Ist das ein notwendiges Mittel, um gewalttätige Demonstranten in die Schranken zu weisen oder überschreitet die Regierung damit eine Grenze, die auf dem direkten Weg in den Bürgerkrieg führt? Schreibt uns Eure Meinung! Wir freuen uns auf Eure Kommentare – direkt unter diesem Artikel.
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